“Instagrammable space” in the restaurant
Gastronomie Editor's Pick

Mehr als nur Essen und Trinken

Die sozialen Medien verändern, wie Menschen miteinander kommunizieren. Für Restaurants reicht es nicht mehr nur gutes Essen und Trinken anzubieten. Im Zeitalter von Instagram spielen weitere Faktoren wie die Präsentation und das Design eine immer wichtigere Rolle.

Für das Gesamterlebnis in einem Hotel sind die Restaurants und Bars ebenso wichtig wie das Zimmer selber. Die Attraktivität einer Hotelbar oder eines Restaurants wird zudem nicht alleine durch die Qualität der Speisen und Getränke bestimmt, sondern es spielen auch noch andere Faktoren eine wichtige Rolle.

Die Beleuchtung, das Design der Inneneinrichtung, die Abendunterhaltung und sogar der Einsatz von Social Media, können für die Kundengewinnung und Reputation ebenso entscheidend sein.

Um die Auslastung zu erhöhen, müssen Hotelrestaurants und Bars auch Nicht-F&B-Trends berücksichtigen, so die Redner auf der kürzlich abgehaltenen Boutique Hotel Investment Conference in New York.

Zum Beispiel ist die Präsentation der servierten Speisen und Getränke im Zeitalter von Instagram wichtiger denn je. Die Gäste fotografieren ihre Speisen, so dass diese im besten Licht präsentiert werden müssen.

 “Instagrammable space” in the restaurant

Der Gastronom muss sich immer bewusst sein, dass ein Gast von seinem Cappuccino oder dem Avocado-Toast ein Instagram-Foto machen könnte, sagt Lisle Richards, Miteigentümerin von The Metric, das Restaurants und Bars betreibt, darunter mehrere Spots im New York’s The Time hotel.

Auch bei der Einrichtung eines Restaurants müssen diverse Faktoren berücksichtigt werden, zum Beispiel hat es genügend Licht über dem Tisch, um ein gutes Foto zu machen etc. Für Instagrammer sind ausserdem die Platzverhältnisse im Restaurant entscheidend.

Beyond Food & Beverage

Beim Entwurf des Kola House in New York (Metric's neuestes Projekt) hat das Unternehmen am Ende ein paar Wände verschoben, um sicherzustellen, dass an einem wichtigen "Instagram-Platz" im Restaurant genügend Raum für ein gutes Gruppenfoto vorhanden ist. Nur eine gute Speisenkarte anzubieten, genügt heutzutage nicht mehr...

Selbstverständlich müssen das Essen und die Getränke gut sein. Aber das reicht nicht aus, um eine konstante Auslastung der kleineren unabhängigen Hotelrestaurants und Gaststätten zu garantieren. Die Art und Weise, wie Menschen in einem F&B-Umfeld interagieren, verändert sich.

Der gegenwärtige Gesundheits-Trend beeinflusst auch Hotels und ist ein zentrales Thema in Restaurants und Bars, bemerkt Lisle Richards. «Die Zeit der Nachtclubs bis 2 Uhr morgens ist vorbei». Fitnesscenters wie SoulCycle und Equinox sind die neuen Begegnungsorte, an denen sich die Leute sozial austauschen. Dieser Trend verändert auch die Art und Weise wie wir Essen und Trinken.

Nach dem Besuch des Fitnesscenters möchte man lieber etwas Kleines essen und sich mit Freunden auf einen Drink treffen, statt bis in die Morgenstunden zu feiern.

Beyond Food & Beverage

Was kommt nach dem Abendessen?

Der Gast, der in einem schicken Restaurant ein Abendessen geniesst, ist potenziell auch ein Kunde für weitere F&B-Angebote. Warum den Gast also nach dem Dessert verlieren?

Hier setzt "Dinner plus" an, sagt Mark Birnbaum, Mitbegründer der EMM Group, die in New York das Restaurant Lexington Brass im Hotel 48LEX New York sowie weltweit die Catch-Restaurants betreiben.

"Die Leute essen und verweilen gerne, also wie halten wir den Kunden länger vor Ort?" Wir befragten die Gäste und staunten ab den Antworten. Den Trend der vergangenen Jahre, die Restaurants am späteren Abend in einen Nachtclub zu verwandeln, nahm niemand ernst.

Die Gäste wollten nach dem Essen lieber gemütlich zusammen sitzen, aber nicht unbedingt in einem pulsierenden Nachtclub. Sie wechseln lieber den Platz innerhalb des Restaurants um Spiele zu spielen oder, um anregende Gespräche bei einem Schlummertrunk wie auf einer Dachterrasse zu führen.

«Bis wir den richtigen Angebots-Mix gefunden hatten, mussten wir einige Konzepte ausprobieren», bemerkt er und fügt hinzu: "Den Gästen Abwechslung an einem Ort zu bieten, z. B mit einem Platz oder Raumwechsel, ist die Herausforderung.

Social Media ist wichtiger denn je …

Laut Mark Birnbaum ist der Schlüssel, um Social Media als Werbeinstrument zu nutzen, "Wege zu finden, es zu kontrollieren, ohne den Anschein zu erwecken, dass man es kontrolliert".

Gute Kritiken sollen ganz natürlich gefördert werden, meint er und fügt hinzu: "Der einzige authentische Weg über Social Media zu werben, ist nicht bezahlte Posts zu generieren".

Als gutes Beispiel nennt er den «Hit Me»-Schokoladenkuchen. Das ist ein beliebtes Dessert bei Catch NYC, das speziell für die Instagram-Gemeinde entwickelt wurde.

"Instagram, Yelp und Snapchat können einen riesigen Erfolg auslösen, wenn man eine grosse Anzahl von Leuten dort Beiträge posten lässt. "Wir haben diesen Kuchen geschaffen, damit die Leute ihn sehen und sagen: "Hey, warte mal, ich muss ein Foto machen und das hier posten." Die spezielle Kuchen-/Eiscremekreation mit den verschiedenen gefrorenen Schichten verführt gerade dazu ihn aufzubrechen und die Creme ausfliessen zu lassen. "Die Desserts sind unsere umsatzschwächsten Speisen, aber sie sind die am meisten kommentierten und beliebtesten Fotosujets", meint Birnbaum und fügt hinzu: "Mit einem Foto von schönen Blumen erzielen wir keinen solchen Werbeeffekt».Catch NYC 'Hit Me' Chocolate Cake

Photo credit: Catch NYC http://catchrestaurants.com/catchnyc/

Die Referenten der Boutique Hotel Investment Conference rieten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dazu, Fotos in Social Media zu veröffentlichen, indem sie die relevanten Hashtags oder den Namen des Veranstaltungsortes dezent auf Menüs und Servietten platzieren.

David Rabin, der Partner von Café Clover, The Skylark, Jimmy im James Hotel und The Lambs Club in New York ist, stellt fest, dass dies eine subtile, aber effektive Marketingtechnik ist. "Wir haben gerade unsere Servietten bei The Skylark überarbeitet, damit die Leute daran erinnert werden wo sie sich befinden, wenn sie Fotos machen».