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Der Einsatz von Storytelling wird an Bedeutung gewinnen

Ganz ohne Special Effects und Hightech, das macht den einzigartigen Zauber und die Echtheit von einmaligen Erlebnissen und Events aus. Interview mit Felix Benesch, Regisseur des SSTH Events "Die fliegende Kuh".

Chorgesang, Storytelling, Show und Theater vereinigen sich beim Event-Abend «Die fliegende Kuh» mit ausgewählten Köstlichkeiten zu einem Erlebnis, das alle Sinne anspricht. Denn solche multisensualen Erlebnisse und die damit einhergehenden Emotionen bestimmen die Erwartungen und Erfahrungen der Gäste.

Bei dieser ganzheitlichen Inszenierung sind alle – von den Organisatoren, Studierenden, Chormitgliedern bis hin zum Gast - Teil des Erlebnisses. Dieser innovative Ansatz entspricht der «Affective Hospitality» Vision der SSTH Hotelfachschule Passugg. In der «Affective Hospitality» stehen die individuellen Emotionen im Mittelpunkt, und wie könnten diese besser als an einem einmaligen Erlebnis-Abend dargestellt werden?

Michael Hartmann, Managing Director der SSTH, hat der Vision folgend unter anderem gemeinsam mit Star-Regisseur Felix Benesch die erste und einzige Chorical Dinner Show ins Leben gerufen. Kultur und Kulinarik verbinden sich an der SSTH zu einem einmaligen Abend. Wir haben mit Felix Benesch, dem Star-Regisseur gesprochen, um in Erfahrung zu bringen, welche Herausforderungen hinter einer solchen aussergewöhnlichen Aufgabe liegen.

Herr Benesch, welchen Herausforderungen hatten Sie sich bei dem Event Projekt zu stellen?

Bei diesem Projekt musste ich sehr viele verschiedene Dinge unter einen Hut bringen: „Die fliegende Kuh“ sollte etwas mit der SSTH zu tun haben, d.h. die Schule repräsentieren und einbinden. Das StĂĽck sollte zudem aktuell, treffend und unterhaltsam einige Aspekte verhandeln, mit denen Hotellerie und Kulinarik heute befasst sind. Unterhaltsam heisst: spannend, witzig, originell, emotional, ĂĽberraschend - und möglichst nicht banal.

Dazu kommen die Herausforderungen, die mir der Chor stellt: Das Programm musste möglichst auch um Lieder herum gebaut werden, die incantanti im Repertoire beherrschte. Und es sollten rund 20 auf die Akteure zugeschnittene Rollen geschrieben werden, denn wir wollten möglichst allen eine Rolle zu spielen geben.
Felix Benesch (c) Matthias Heyde


Wie gehen Sie mit solchen Projekten um, wie entwickeln Sie Geschichten und wo inspirieren Sie sich?

Es geht nichts ohne Recherche, das heisst in erster Linie: Mit den Leuten reden und lesen. Erst danach entwickle ich Ideen, die ich dann schrittweise ausarbeite. Für dieses Projekt trifft ein gängiges Autoren-Sprichwort besonders zu: »Ideen zu haben ist das Paradies, sie auszuarbeiten ist die Hölle.»

Worauf haben Sie bei der Entwicklung der Geschichte besonders geachtet? Was ist aus Ihrer Sicht des Regisseurs bei der Entwicklung eines Theaters wichtig?

Ich beschäftige mich ja sonst hauptsächlich mit dem Schreiben von Drehbüchern für Film und Fernsehen. Mir macht es besonders Spass, die Erzähltricks aus dieser Welt mit Theater, Musik und in unserem Fall auch Kulinarik zu kombinieren und ganz neu anzuwenden.

Höchstes Prinzip ist für mich: Man darf die Leute nicht langweilen. Das versuche ich zu erreichen mit überraschenden Wendungen und einer klar gesetzten Vorwärtsbewegung in den Geschichten. Es sollen sich möglichst viele Assoziationsräume eröffnen. Wenn alles optimal zusammenspielt, dann entsteht in der Fantasie der Zuschauenden nämlich ein Film, der mindestens so reich, verrückt und spektakulär sein kann wie eine grosse Kinoproduktion.


Wohin werden sich Ihrer Meinung nach Events der Zukunft entwickeln?

Sicher wird ein bewussterer Einsatz von Storytelling an Bedeutung gewinnen. Wobei ich überzeugt davon bin, das Geschichten schon immer eine wichtige Rolle gespielt haben. Wenn ich im «besten Hotel von St.Moritz» logiere, ist das bereits sehr effektvolles Storytelling. Und wenn ich dort zum Beispiel das Lieblingsgericht von Brigitte Bardot serviert bekomme, dann erst recht.

Ich wünsche mir, dass der Trend zu kleinen, individuellen und höherwertigen Events geht. Mich interessiert das Spezielle eines Ortes, einer Gemeinschaft, einer Umgebung. Ich finde es je länger je absurder, internationale und vielleicht sogar globale Erfolge anzustreben oder diesen nachzueifern. Wir sind umgeben von Marketing-Strategien, die allzu oft sehr durchschaubar und auch ein bisschen dumm sind. Immer und überall werden wir manipuliert. Daraus entsteht für mich eine Sehnsucht nach dem Echten, dem Unverfälschten, dem Transparenten. Ich will wissen, womit ich es zu tun habe.

Unsere „fliegende Kuh“ sehe ich als ein beispielhaftes Projekt dieser Art. Hier agieren „nur“ rund 20 einheimische Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Stimmen und Körpern. Und die KĂĽche der SSTH zeigt, was sie kann. Kein einziges Effektgerät ist im Einsatz, kein Instrument, kein Mikro, keine Hightech - und auch kein internationaler Stargast steht im Mittelpunkt. Das macht den Zauber aus. Ich bin mir sicher, dass wir damit mindestens genau so viel bewegen können wie mit dem heissesten «Scheiss» aus NYC oder Hongkong. 

 

Zur Person

Felix Benesch ist in St. Moritz und Chur aufgewachsen. Am damaligen Churer Stadttheater lernte er Ende der Achtzigerjahre das Theater von der Pike auf kennen und machte seine ersten Inszenierungen. Danach war Benesch Regieassistent am Burgtheater Wien, wo er mit Regisseuren wie Manfred Karge, Achim Benning, Peter Zadek, Ruth Berghaus und Claus Peymann arbeitete. Daneben inszenierte er als freischaffender Regisseur, u.a. in Wien und auch in Chur (Büchners „Woyzeck“, 1995 bei den Freilichtspielen).

Danach wirkte Benesch als Regisseur an diversen Theatern in Deutschland und Österreich sowie am Luzerner Theater, am Schauspielhaus Zürich und immer wieder auch in Chur. Daneben hatte er einen Lehrauftrag am Max-Reinhardt-Seminar Wien. Benesch gilt als präziser, feinhöriger Regisseur, der das Theater vor allem als einen Ort der Begegnung und der Menschlichkeit betrachtet. Seit Ende der neunziger Jahre ist Benesch auch als Drehbuchautor tätig, schrieb diverse Spielfilme für Kino und TV sowie für Serien und Reihen wie den «Tatort».


Foto (c) Matthias Heyde